Interview mit Laurent Vauversin (Champagne Vauversin)

Sie haben Ihr Weingut von Ihren Eltern übernommen, wie konnten Sie ihre eigene Note einbringen, bzw. welche Neuerungen lagen Ihnen am Herzen?

Wenn man einen Weinanbaubetrieb übernimmt muss man einen Übergang zwischen der Vergangenheit und der Zukunft machen. Dieser Übergang ist an den Seiten meines Vaters passiert, der mir sein „savoir-faire“ übermittelt hat und ich meine Zukunftsvision hinzugefügt habe. So ein Übergang ist wirklich etwas sehr Spannendes. Ich bin nämlich jemand der genau beobachtet und dann sehr vieles hinterfragt. Ob das nun unsere seit Generationen übermittelte Arbeitsweise ist oder ob es um ein neues Konzept geht. Nach diesen Überlegungen und auch indem man seiner Intuition folgt findet man schließlich die Antworten.

Konkret gesprochen ging es mir seit meiner Übernahme im Jahre 2011 um die Konvertierung zu biologischen Anbau, einer 100% Unabhängigkeit bei der Vinifizierung, einer sanften Vinifizierung und um die Biodiversität in unseren Weingärten. Zum Beispiel kann ich mich dazu entscheiden ein paar Weinstöcke auszureißen, um einen Baum oder ein paar Sträucher zu pflanzen, wenn mir die Biodiversität in der einen oder anderen Parzelle als zu gering erscheint. Es geht dabei auch um den Ausgleich der Energien und es ist sehr schön für die Landschaft und wir sind die Ersten die davon profitieren.

Seit wann produzieren Sie Bio-Champagner und wie viel Zeit hat diese Umstellung in Anspruch genommen?

Ich habe 2011 mit der Umstellung begonnen, welche 3 Jahre in Anspruch genommen hat, bis wir im Jahr 2014 die Bio Zertifizierung erhalten haben. Aber was wirklich interessant im biologischen Weinanbau ist, dass es eine konstante Evolution ist. Wir sind immer auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen unseren Produktionsbedürfnissen, dem Respekt vor dem Menschen, der Natur und der Landschaft. Man könnte fast sagen, dass die Biolandwirtschaft ein konstanter Prozess ist. 

Was war der Grund sich der (vor allem in der Champagne) schwierigen Aufgabe des Bio-Weinbaus zu stellen?

Ohne zu zögern: der Instinkt. Ein Satz hat mich meine ganze Jugend begleitet: Wenn du den Eindruck hast, dass die Welt nicht für dich gemacht ist, dann ändere sie!

Was ist die größte Herausforderung Bio-Champagner herzustellen?

Die größte Herausforderung ist unser Klima, welches eher feucht ist, die Monokultur der Weingärten und die historische Konfiguration unserer Weingärten, die in sehr engen Bahnen gepflanzt ist und im Durchschnitt sehr kleine Parzellen zulässt. Das alles erschwert uns gewisse technische Arbeiten im Weingarten.

Eine andere Herausforderung ist die Beziehung zu unseren Weingartennachbarn, die leider manchmal noch sehr stur mit viel Chemie arbeiten. Dieses Zusammenleben macht es manchmal schwierig, aber ich bin eher ein diplomatischer Typ und wenn es in diesem Jahr nicht klappt, dann versuche ich das Problem im nächsten wieder anzusprechen. Zwischen Nachbarn sollte nämlich auf keinen Fall eine Kluft entstehen (auch wenn diese eine andere Einstellung haben).

Worum geht es Ihnen bei der Champagner Herstellung und was versuchen Sie in Ihren Weinen wiederzufinden bzw. mit Ihren Champagnern zu vermitteln?

Ziel meiner Champagner ist es, die Reinheit des Terroirs von Oger wiederzufinden. Schön und sauber bearbeitete Weinstöcke (natürlich ohne Chemie) geben den Weintrauben, dem Champagner und anschließend den Personen, die unsere Champagner genießen, ihre positive Energie wieder.

Zu vermitteln gilt es: Der Respekt vor dem Leben und die Lebensfreude!

Merci beaucoup Laurent :)